+ Parks Truman Show  

Für Truman Burbank war es ein Schock und eine Befreiung zugleich, als er, die zentrale Figur in dem Hollywood-Film The Truman Show, erkannte, dass die Welt um ihn herum bloße Fassade ist, nichts weiter als ein gigantisches Fernseh-Studio, in dem er Zeit seines Lebens als unfreiwilliger Hauptdarsteller einer Doku-Soap agierte. Auf seine Weise und mit seinen Mitteln inszeniert auch der koreanische Künstler Sangho Park eine Art Truman Show. Mit seinen Werken führt er tradierte Wahrnehmungsmuster geschickt auf die falsche Fährte, setzt den Betrachter den eigenen Illusionen aus und zerstört als sicher und felsenfest gespeicherte Erinnerungen.

So entpuppt sich die Fotografie eines in die Ecke gestellten vermeintlichen Allerweltsstuhls als Abbild eines perspektivisch verzerrten, auf bedenklich schiefer Ebene platzierten und als Gebrauchsgegenstand gänzlich untauglichen Sitzmöbels. Die Konfrontation von Foto und dazugehöriger Installation lässt die Illusion platzen wie die berühmte Seifenblase. In anderen Arbeiten verwandelt er die Stuttgarter City zum potemkinschen Dorf und präsentiert die französische Metropole Paris als Kulissen-Stadt. Den berühmten Arc de Triomphe präsentiert er als bloße Fassaden-Attrappe, die behelfsmäßig von Baugerüsten gestützt wird. Dies erreicht er durch raffinierte Foto-Retuschen und versiert-filigrane Übermalungen.

Sprichwörtlich den eigenen Augen nicht trauend nähert sich der Betrachter unwillkürlich den Bildern und macht sich auf die Suche nach dem künstlerischen Trick, dem er scheinbar auf den Leim gegangen ist. Man gerät ins Staunen und nimmt zur Kenntnis, wie leicht es Sangho Park gelingt, uns Zweifeln zu lassen: Der Triumphbogen als Fassade, wo doch jeder weiß, das er keine Fassade ist, aber er sieht so echt nach Fassade aus... So führt uns Sangho Park vor, wie schwierig es sein kann, die reale Wahrnehmung mit dem in Einklang zu bringen, was man wahrzunehmen erwartet.

Sangho Parks Arbeiten sind indes nicht lediglich Mittel zum Zweck der (Des-)Illusionierung. Sie sind technisch hervorragend gefertigte Kunstwerke voller Ausdrucksstärke und ästhetischer Qualität. Dies gilt nicht nur für die ausgestellten Foto-Übermalungen, Zeichnungen und die Installation, sondern auch für seine Video-Arbeiten und Skulpturen. Trotz dieser Vielfalt an Darstellungsformen geht der rote Faden nie verloren. Parks Arbeiten sind stets inszeniert im

Spannungsfeld aus Wahrnehmung, Perspektive und Räumlichkeit. Vor allem in der Auseinandersetzung mit der Dreidimensionalität erzielt er große Wirkung. Hier bringt er seine Kunstfertigkeit und Erfahrung als Bildhauer – erworben aus akademischer Ausbildung und Lehrtätigkeit – auch in zweidimensionalen Arbeiten zu voller Entfaltung.

Unbewusst und unbeabsichtigt zeigt uns Park damit vielleicht auch ein Stück Zukunft. Vor allem im Internet entstehen derzeit virtuelle Welten, die unsere räumliche Wirklichkeit täuschend echt nachahmen. Plattformen wie „Second life“ gelten als Wegweiser für die künftige virtuelle Dreidimensionalität in Internet, Film und Fernsehen. Mit seinen Arbeiten nimmt Sangho Park diese Entwicklung künstlerisch vorweg.

2007, Stefan Schuler

 

 

+ noname film                                                                   

 Sangho Park beschäftigt sich seit einiger Zeit in seinem multimedialen Werk mit den fundamentalen Wandlungen, denen unsere Wahrnehmung und unser Selbstverständnis durch die zunehmende Vermedialisierung unserer Erfahrungswelt unterworfen ist. Eine Konsequenz daraus ist, dass die Umwelt, die immer mehr als Informations- und Werbeträger fungiert, nur noch als Kulisse und das eigene Leben als Rollenspiel in der Art einer Truman-Story begriffen wird. In einer besonders prägnanten Arbeitsreihe von akribisch retuschierten Fotografien hat er die Stuttgarter Innenstadt in ein monumentales Set zu einem namenlosen Film verwandelt. Er zeigt diese Fotos in Installationen, die in tautologischer Fortführung des Themas ebenfalls Kulissencharakter haben.

2006, Prof. Alexander Roob

 

+ noname film                                                                   

Vor allem hatte dann die Teilnahme an dem Klassenprojekt “Makingofilm” (2004) eine grosse Auswirkung auf meine Arbeit. Es war vor allem die Einsicht, dass nicht nur der Film selbst, sondern die gesamte Atmosphäre, die Umgebung und die Kulisse ausschlaggebend für die Gesamtwirkung und den Eindruck auf die Betrachter waren. Aus dieser Erfahrung resultierte dann eine grosse Installation von mir, der “Raum des Träumers”, die ich 2005 aufgebaut habe. Diese Installation besteht aus einem Raum mit surrealistischen Objekten z.B. Pferde, Asten, Stühle, Tische, die im Weitwinkelobjektiv zu sehen sind. Danach, ebenfalls auf Grundlage des gewonnenen Interesses für Filmsets habe ich den Trickfilm “Aufbluehende Flügel” (2006) aufgenommen.

Allmählich, verschob sich dann mein Blick für Filmisches und Kulissenartiges auf die Alltagswelt, auf die städtische Umgebung in Stuttgart. Es entstanden so die Fotoarbeiten  “noname film”, die oft innerhalb eines installativen Aufbaus gezeigt werden.

In den retuschierten Fotoarbeiten wird ein realistischer Raum transformiert zu einer Kulisse, zu einer Vortäuschung von Realität. Dieses Konzept, das sich bisher auf eine Bearbeitung des Stuttgarter Stadtraums beschränkt hat, möchte ich nun ausweiten auf weitere Vorlagen, internationale Städte (Paris, München, Berlin...) mit bekannten touristischen Sehenswürdigkeiten.

2006, sangho PARK

 

 

+ film ohne titel - eingang                                                                

 

  In seiner Installation "Film ohne Titel - Eingang" setzt der Kuenstler Sangho Park Innenraeume eines Gebaeudes wie eine Filmkulisse in den Aussenraum fort. Beim Betreten des mit Schrank, Stuhl und Schwarzlicht ausgestatteten Raumes schwankt der Betrachter. Was zunaechst wie eine Art Flur aussah, erweist sich als inszenierte Illusion: der Raum verjuengt sich zu einer Tuer hin, die ins Leere fuehrt. Die Unsicherheit in der Beurteilung von Sein und Schein im Uebergangsbereich zwischen innen und aussen wird dem Betrachter in Sangho Parks kulissenartiger Installation geradezu physisch zum Erlebnis - und es stellt sich die Frage, ob es einen ausschliesslich pers?lichen, von der Gesellschaft unabhaengigen Raum fuer das Individuum ueberhaupt gibt.

                                                                                          

2006, Winfried Stuerzl

 

 

 

 

+ Zu sehen                                                                                                     

 

Wir leben in einem Zeitalter, das von Massenmedien wie Internet, Fernseher,

Radio, Kino usw. geprägt ist. Dadurch sind wir mit Fiktion, bzw. mit dem Abbild oder sogar Idealisierung unserer Realitaet staendig konfrontiert.

Da die Menschen den Medien alltaeglich ausgesetzt sind, sind sie so daran gewoehnt,

dass sie die dargestellte Welt als etwas Reales wahrnemen. dennoch ist sie fiktiv.

Ich will damit sagen, dass die Menschen den Fernseher und

die damit verbundene Fiktion der tatsaechlichen Welt vorziehen.

Diese ist jedoch real und mit allen sinnen wahrnehmbar.

Mit meinem Werk moechte ich eine Situation darstellen,

die fuer unser Zeitalter charakteristisch ist.

 

2002, sangho PARK

 

 

+ Menschenmassen – Luftspiegelungen                                 

 

Mein Werk besteht aus einem Material, das PET-film heisst. 

PET-film findet man zum Beispiel bei Cola - Flaschen.  Die werden aus dem gleichen Material hergestellt.

Die Figuren aus Menschengestallt sind durchsichtig.

Ich habe ungefaehr 120Figuren aufgestellt.

Die Ueberfluessigen Plastikstueke sind auf dem Boden verstreut. Die durchsichtigen Figuren habe ich wahllos <durcheinander> in einem Raum aufgestellt. Nimmt der Betrachter einen festen Blickpunkt, erscheint ihm eine sinnestaeuschung.

Er sieht die Figuren und des Umfeld unklar.

Es hat den gleichen Effekt, als ob man Nebelfelder sieht.

Ich will damit sagen, dass eine Person, seine eigene Identitaet finden kann, wenn er in dieser Menschen-Masse aus Plastik-Figuren steht.

Mein Werk ist nur vollstaendig, wenn ein Besucher in mitten dieser Figuren steht.

 

2000, sangho PARK